Lektion 5 – Wahrnehmbare Formgestaltung bzw. warum ein Geistesblitz allein nicht genügt

Geistesblitz

Geistesblitz? – Nicht schutzfähig!

Geistesblitze alleine sind keine urheberrechtlich geschützten Werke – es fehlt die wahrnehmbare Formgestaltung. Urheberrechtlicher Schutz setzt immer voraus, dass ein Mensch das Werk mit Auge, Ohr und/oder Tastsinn wahrnehmen kann (also zumindest rein theoretisch). Deshalb sprechen wir auch von der wahrnehmbaren Formgestaltung.

Sehen wir uns ein paar Beispiele für wahrnehmbare Formgestaltung an:

  • Musik kann man in Form von Noten darstellen und folglich mit dem Auge wahrnehmbar machen. Man muss Melodien aber nicht zwingend auf Papier schreiben – auch wenn man sie hören kann, ist sie wahrnehmbar.
  • Ein Gemälde kann man mit dem Auge sehen.
  • Texte kann man mit dem Auge lesen. Texte, die in Blindenschrift verfasst sind und ertastet werden können, sind natürlich ebenso schutzfähig.
  • Skulpturen kann man entweder mit dem Auge sehen oder sie ertasten.
  • Filme sieht und hört man gleichzeitig.

Wie ein Werk wahrgenommen wird, kommt also auf die Art des Werks an. Weiterlesen

Lektion 4 – Menschliches Schaffen ist kein Affentanz

Makake NarutoSchon wieder ein Affe? Klar! Why not!?

Beginnen wir mit einem skurrilen Fall, von dem Ihr vielleicht gehört habt: Die PETA hat im Namen des Affen Makake auf Feststellung der »Affen-Urheberschaft« geklagt. Dieser Klage hat ein US-Gericht Anfang 2016 eine Abfuhr erteilt. Weder der Affe, noch der Fotograf, der seine Kamera für einige Minuten unbeaufsichtigt ließ, seien Urheber des Fotos. Weiterlesen

Lektion 3 – Das Werk … oder warum Äffchen keine Urheber sein können.

AffeKann ein Äffchen Urheber sein? Schauen wir uns das einmal näher an. In Lektion 2 haben wir gelernt, dass das Urheberrecht die finanziellen und die ideellen Interessen von Künstlern schützt.

Was wir bis jetzt noch nicht wissen: Auf was genau beziehen sich denn diese geschützten (finanziellen und ideellen) Interessen?

Hier hilft wieder ein Blick ins Gesetz: § 1 UrhG sagt, dass Urheber Schutz »für ihre Werke« genießen. Auch § 11 S. 1 UrhG sagt, dass der Schutz in »Beziehungen zum Werk« besteht. Folge: Es kommt darauf an, ob ein Werk hergestellt wurde oder nicht!

Und was genau ist jetzt ein solches Werk?

Wirft beispielsweise ein Äffchen Farbkugeln auf eine Leinwand – ist dann der Affe Urheber? Weiterlesen

Lektion 2 – Was ist eigentlich das Urheberrecht und was genau schützt es?

In Lektion 1 haben wir gelernt, dass das Urheberrecht noch nicht einmal 200 Jahre alt, also ein »junges« Rechtsgebiet ist.

Jetzt lernen wir, wofür wir das Urheberrecht überhaupt brauchen und wie es den Urheber schützen kann.

Wir alle lieben Kultur. Kulturgüter, also Bücher, Filme, Musik, Bilder, Skulpturen, Computerspiele usw. müssen aber zunächst erst einmal von jemandem hergestellt werden. Und weil es heute im Zeitalter des Internets sehr einfach ist, Daten – darunter auch Kulturgüter – per Mausklick millionenfach zu kopieren, droht die Gefahr, dass ein Kulturgut von einer Vielzahl von Menschen konsumiert wird, aber derjenige, der es hergestellt hat, leer ausgeht, also in die Röhre schaut.

Das Blöde daran ist, dass irgendwann niemand mehr Kulturgüter herstellen will, wenn man nichts dafür bekommt. Was nun? Weiterlesen

Lektion 1 – Von Sklavenfängern und Buchdruckern

Der Arme Poet

Carl Spitzweg – Der Arme Poet

Herzlich Willkommen auf dem Copyright Blog. Wir werden uns Lektion für Lektion das deutsche Urheberrecht in verständlicher Weise erarbeiten und beginnen mit einem kurzen geschichtlichen Überblick.

Gibt es das Urheberrecht eigentlich schon immer? Also existierte es schon in der Antike?

Ganz und gar nicht. Weder die Antike noch das Mittelalter kannten ein Urheberrecht, das geistige Schöpfungen schützt. Weiterlesen