Lektion 5 – Wahrnehmbare Formgestaltung bzw. warum ein Geistesblitz allein nicht genügt

Geistesblitz

Geistesblitz? – Nicht schutzfähig!

Geistesblitze alleine sind keine urheberrechtlich geschützten Werke – es fehlt die wahrnehmbare Formgestaltung. Urheberrechtlicher Schutz setzt immer voraus, dass ein Mensch das Werk mit Auge, Ohr und/oder Tastsinn wahrnehmen kann (also zumindest rein theoretisch). Deshalb sprechen wir auch von der wahrnehmbaren Formgestaltung.

Sehen wir uns ein paar Beispiele für wahrnehmbare Formgestaltung an:

  • Musik kann man in Form von Noten darstellen und folglich mit dem Auge wahrnehmbar machen. Man muss Melodien aber nicht zwingend auf Papier schreiben – auch wenn man sie hören kann, ist sie wahrnehmbar.
  • Ein Gemälde kann man mit dem Auge sehen.
  • Texte kann man mit dem Auge lesen. Texte, die in Blindenschrift verfasst sind und ertastet werden können, sind natürlich ebenso schutzfähig.
  • Skulpturen kann man entweder mit dem Auge sehen oder sie ertasten.
  • Filme sieht und hört man gleichzeitig.

Wie ein Werk wahrgenommen wird, kommt also auf die Art des Werks an.

Fotos kann man nicht hören und nicht ertasten, Skulpturen nicht hören etc.

Körperliche Festlegung nötig?

Nein! Ein Werk muss nicht körperlich festgelegt werden – es genügt auch die flüchtige Wahrnehmbarkeit. Daher kann auch eine einmalige (»vergängliche«) Musikimprovisation geschützt sein.

Dauerhaft?

Auch muss ein Werk nicht dauerhaft bestehen. Es genügt, wenn das Werk nur für den Bruchteil einer Sekunde besteht. So sind Eisskulpturen, die nach ein paar Stunden schmilzen, oder Sandskulpturen, die meist nach wenigen Stunden zerfallen, ebenfalls schutzfähig. Das gleiche gilt für Stehgreif-Gedichte oder Phantomime-Improvisationen (nur nicht von Affen, das haben wir ja schon in Lektion 4 gelernt!).

Sind Werkzeuge zum Konsumieren erlaubt?

Wie schon bei der Herstellung des Werks, wo sich der Schöpfer Werkzeuge bedienen darf (z. B. Photoshop, Pinsel, Hammer und Meißel), darf der Konsument auch für die Wahrnehmung des Werks auf Hilfsmittel zurückgreifen. Filme werden z. B. über einen Fernseher oder ein Kino angeschaut, Computerspiele auf dem Computer, der Konsole oder dem Smartphone gespielt. Ein gigantisches Muster in einem Kornfeld könnte man nur mit Hilfe eines Flugzeugs, Helikopters, eines Satelliten oder einer Drohne etc. betrachten – aber auch das genügt.

    Was merken wir uns heute?

    • Werke müssen mit den menschliche Sinnen wahrnehmbar sein (wahrnehmbare Formgestaltung).
    • Werke müssen weder dauerhaft, noch körperlich festgelegt werden.

2 Gedanken zu „Lektion 5 – Wahrnehmbare Formgestaltung bzw. warum ein Geistesblitz allein nicht genügt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.