Lektion 1 – Von Sklavenfängern und Buchdruckern

Der Arme Poet

Carl Spitzweg – Der Arme Poet

Herzlich Willkommen auf dem Copyright Blog. Wir werden uns Lektion für Lektion das deutsche Urheberrecht in verständlicher Weise erarbeiten und beginnen mit einem kurzen geschichtlichen Überblick.

Gibt es das Urheberrecht eigentlich schon immer? Also existierte es schon in der Antike?

Ganz und gar nicht. Weder die Antike noch das Mittelalter kannten ein Urheberrecht, das geistige Schöpfungen schützt. Zwar ärgerte sich schon damals der berühmte Dichter und Spötter Martial über seinen Konkurrenten Fidentinus, da dieser Martials Verse als die eigenen Vortrug. Martial rächte sich in Form eines Epigramms, in dem er seine Bücher mit freigelassenen Sklaven – die man nicht erneut versklaven durfte – gleichsetzte und Fidentinus als plagiarius (Sklaventreiber) bezeichnete. Dabei blieb es aber auch. Wovon lebten dann Künstler? In der Antike unterstützte der sog. Mäzen den Schöpfer – der z. B. als Hofdichter, Hofmaler oder Hofmusiker wirkte – durch »Honorar«, Anerkennung und Lebensunterhalt. Dafür durfte der Mäzen mit dem Werk machen, was er wollte. Das änderte sich auch im Mittelalter nicht. Die Privilegien, die Städte, Landesherren, oder der jeweilige Kaiser den Verlegern oder Druckern während der gewährten, schützten nicht die Autoren, sondern waren ein Gewerbemonopol zugunsten der Buchdrucker.

Die Naturrechtler des 18. Jahrhunderts fanden das irgendwann – also zur Zeit der Aufklärung – ziemlich doof. Sie leisteten die entscheidende Vorarbeit für ein Urheberrechtsgesetz, indem sie die Lehre vom geistigen Eigentum entwickelten. Johann Gottlieb Fichte hatte beispielsweise einen guten Einfall. Er nahm ein Buch und unterschied zwischen dem Eigentum am Gegenstand (den man in die Hand nehmen kann) und dem Eigentum am Inhalt (dem »geistigen Eigentum«).

Das erste nationale deutsche Urheberrechtsgesetz entstand 1871 mit Gründung des Deutschen Reichs. Damals hatte der Urheber zwar noch keine Verwertungsrechte an seinen Werken, aber genoss zumindest schon gewissen Schutz seines Urheberpersönlichkeitsrechts. Dieses Gesetz mündete dann in die beiden Gesetze KUG (schützte bildenden Künste und Photographie) und LUG (schützte Literatur und Tonkunst). Diese beiden Gesetze stellten erstmals einen ernstzunehmenden Schutz nicht nur der ideellen Interessen, sondern auch der materiellen Interessen der Urheber dar. Auf Grundlage dieser Gesetze konnte ein Künstler also endlich sagen:

»Stop! Wenn Du mein Gedicht vervielfältigst, musst Du gefälligst dafür zahlen!«

Aus den Gesetzen LUG und KUG entstand dann 1965 das noch heute geltende (natürlich vielfach aktualisierte) Urheberrechtsgesetz.

Wir merken uns also von Lektion 1:

Das Urheberrecht ist ein »junges« Recht, das es erst seit dem 19. Jahrhundert gibt.

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