Lektion 2 – Was ist eigentlich das Urheberrecht und was genau schützt es?

In Lektion 1 haben wir gelernt, dass das Urheberrecht noch nicht einmal 200 Jahre alt, also ein »junges« Rechtsgebiet ist.

Jetzt lernen wir, wofür wir das Urheberrecht überhaupt brauchen und wie es den Urheber schützen kann.

Wir alle lieben Kultur. Kulturgüter, also Bücher, Filme, Musik, Bilder, Skulpturen, Computerspiele usw. müssen aber zunächst erst einmal von jemandem hergestellt werden. Und weil es heute im Zeitalter des Internets sehr einfach ist, Daten – darunter auch Kulturgüter – per Mausklick millionenfach zu kopieren, droht die Gefahr, dass ein Kulturgut von einer Vielzahl von Menschen konsumiert wird, aber derjenige, der es hergestellt hat, leer ausgeht, also in die Röhre schaut.

Das Blöde daran ist, dass irgendwann niemand mehr Kulturgüter herstellen will, wenn man nichts dafür bekommt. Was nun? Hierfür gibt es das Urheberrecht. Das Urheberrecht will verhindern, dass uns die Kultur »ausgeht«. § 11 UrhG – vielleicht die wichtigste Norm im UrhG – sagt deshalb:

»Das Urheberrecht schützt den Urheber in seinen geistigen und persönlichen Beziehungen zum Werk und in der Nutzung des Werkes. Es dient zugleich der Sicherung einer angemessenen Vergütung für die Nutzung des Werkes.«

Übersetzt man diesen zugegebenermaßen etwas komplizierte Formulierung in die Alltagssprache, kann man zwei zentrale Aussagen herausfiltern:

  1. Wird ein Werk genutzt, soll der Urheber etwas dafür bekommen (also Geld).
  2. Darüber hinaus sind aber auch die ideellen Interessen des Urhebers geschützt.

Wie genau das alles funktioniert, werden wir noch in späteren Lektionen lernen. Darum gebe ich Euch nur zwei kurze Beispiele für den Schutz der finanziellen und der idellen Interessen:

1. Finanzielle Interessen

Die finanziellen Interessen sind dadurch geschützt, dass der Urheber allerin darüber bestimmt, ob, wann, wie und wo sein Werk genutzt wird und wieviel Geld er dafür verlangt, dass er anderen die Nutzung erlaubt.

Chiemsee

Chiemsee (Strandbad Übersee)

Nehmen wir das linke Foto, das ich vor wenigen Tagen am Ufer des Chiemsees geschossen habe. Berta Brause (Name frei erfunden) verkauft gewerbsmäßig Wandkalender und möchte das Foto gerne auf einer der Kalenderseiten abdrucken. Das darf sie aber nur, wenn ich ihr das erlaube. Ich könnte also einen Vertrag mit Berta schließen und ihr den Abdruck des Fotos auf einer der Kalenderseiten (z. B. Auflage: 10.000 Stück) gestatten und erhalte pro verkauftem Kalender 10 Cent.

Das Beispiel ist natürlich sehr simpel. Aber solche mündlichen »Bierdeckelverträge« sind in der Praxis allgegenwärtig und zeigen anschaulich, wie Urhebervertragsrecht aussehen kann.

2. Ideelle Interessen

Das Urheberrecht schützt neben den finanziellen Interessen auch die ideellen Interessen des Urhebers. Beispielsweise kann ich von Berta verlangen, dass ich auf der Kalenderseite unter meinem Foto namentlich als Fotograf genannt werde. Zudem könnte ich ihr die Nutzung des Fotos verbieten, wenn ich später erfahre, dass der Kalender rechtsradikale Inhalte aufweist.

    Was merken wir uns von Lektion 2?

  • Ohne Urheberrecht würden Künstler meist kein Geld für die Herstellung von Kulturgütern bekommen. Vielen würde dann die Lust am Kunstschaffen vergehen.
  • Urheberrecht schützt finanzielle Interessen.
  • Urheberrecht schützt ideelle Interessen.

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