Embedden, Teilen und Liken – Ist das eigentlich erlaubt? (Teil 2 v.2)

Teilen auf Facebook

Im ersten Teil haben wir gelernt, wie Hyperlinks urheberrechtlich einzuordnen sind.

Hier, im zweiten Teil, sehen wir uns bekannte Formen von Social Media, insbesondere das Teilen und Liken an.

Teilen und Retweeten

Ihr alle kennt das »Teilen« und »Liken« von Inhalten durch die allgegenwärtigen »Share Buttons« der verschiedenen Netzwerke (Ihr dürft natürlich gerne auch auf die Share-Buttons auf dieser Seite klicken…). Wenn Ihr z. B. am Ende dieses Artikels auf den Facebook-Share-Button klickt, könnt Ihr einen kurzen Ausschnitt dieses Artikels (also eine Vorschau) auf Euerem Facebook-Profil sichtbar machen. Das geht natürlich auch ohne Share-Button, indem man die Internetadresse (URL) des entsprechenden Inhalts in Facebook auf seiner Pinnwand einfügt – auch dann wird der Inhalt dieser Seite als Auszug auf dem Profil dargestellt. Aber ist das überhaupt erlaubt?

Wer fremde Inhalte teilt und auf seinem Profil anzeigt, vervielfältigt diese Inhalte nach § 16 UrhG (denn sie werden ja zusätzlich zur Quelle auch auf meinem Profil dargestellt) und macht sie öffentlich zugänglich, § 19a UrhG. Wir haben also definitiv eine erlaubnispflichtige Nutzung nach dem Urheberrechtsgesetz.

Es wäre doch aber eigenartig, wenn das, was fast alle tun, verboten wäre, oder?

Dem Urteil des LG Frankfurg a. M. zufolge ist ein Share-Button unterhalb eines Textes keine stillschweigende Einwilligung dazu, den gesamten Text in sein Facebook-Profil zu kopieren. Im Umkehrschluss darf man aber den Artikel mit der Share-Funktion als Facebook-typische Vorschau in seinem Profil teilen. D. h. wenn Ihr am Ende dieses Artikels auf den Share-Button klickt, wird nicht einfach der gesamte Artikel kopiert, sondern nur als Vorschau in Euerem Profil dargestellt. Das ist rechtlich »ok« – Ihr seid dann »safe«.

Für »Tweets« (auf Twitter) erteilt der jeweilige Verfasser immer seine stillschweigende Einwilligung zum retweeten (Weiterleiten innerhalb von Twitter), denn die nur 140 Zeichen langen Tweets dienen ja vor allem auch dem Zweck, schnell über etwas zu informieren und »retweetet« (also weiterverbreitet) zu werden.

Vorsicht: Im Umkehrschluss bedeutet das, dass der Inhalt gewöhnlicher Internetseiten nicht einfach geteilt werden darf, wenn keine Social-Media-Buttons dafür vorgesehen sind oder sich die Einwilligung nicht anderweitig erschließt! Zu dieser Frage kenne ich aber noch keine Rechtsprechung – meist freut sich ja jeder darüber, dass seine Netzinhalte in sozialen Netzwerken geteilt werden, d. h. auszugsweise als Vorschau dargestellt wird. Das ist eigentlich die beste Werbung – und dazu noch kostenlos.

Liken

Liken (also einen Inhalt für gut befinden, indem man auf den »Like«-Button klickt) stellt keine urheberrechtlich relevante Nutzungshandlung dar, da keine Inhalte vervielfältigt oder öffentlich zugänglich gemacht werden. Aber Vorsicht (auch wenn das jetzt mit Urheberrecht nichts zu tun hat): Wer fremde Äußerungen (z. B. unwahre Tatsachen oder Beleidigungen) »liked«, macht sich diese Aussagen unter Umständen zu eigen (so, als hätte man sie selbst getätigt) und kann selbst dafür belangt werden.

RSS Feeds

Auf der linken Seite dieses Blogs könnt Ihr meinen RSS Feed abonnieren (diese kleinen orangenen Icons). Wenn Ihr meinen Feed abonniert, füttere ich Eueren Browser mit aktuellen Daten. Feeds können aber auch in Webseiten eingebunden werden, so dass in einem bestimmten Bereich einer Seite immer die aktuellsten Inhalte der Fremden Seite (der RSS Feed) dargestellt wird (praktisch z. B. für Kurznachrichten). Hier ist der Betreiber der fremden Seite nicht für die Inhalte verantwortlich. Jetzt kommt aber der Haken: Der Ersteller der RSS-Feeds (das bin in diesem Fall ich selbst) haftet für seine Inhalte, und muss im Fall eine Rechtsverletzung dafür sorgen, dass auch sämtliche seiner Abonnenten die Wiedergabe des rechtswidrigen Inhalts unterlassen (BGH Urteil vom 11.11.2014-VI ZR 18/14). Wie das praktisch funktionieren soll, ist nicht klar. Es führt aber zu erheblicher Rechtsunsicherheit. Ich habe natürlich trotzdem einen RSS-Feed…

[Textrahmen]Fazit: es gibt zwar einige Fallstricke im Internet, man sollte sich den Spaß am Web zwei Punkt Null nicht verderben lassen. Vielmehr sollte man fremde Inhalte mit gesundem Menschenverstand nutzen. Oft hilft es, aus Sicht des Urhebers zu entscheiden, ob man selbst einverstanden wäre, wenn andere meine Inhalte auf die eine oder andere Weise nutzen würden. [/Textrahmen]

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