Lektion 5 – Geistiger Gehalt

IdeeDamit ein Werk urheberrechtlichen Schutz genießt, muss es einen geistigen Inhalt aufweisen, also die Gedanken- oder Gefühlswelt des Schöpfers ausdrücken. Das Werk muss also auf den Konsumenten eine geistig anregende Wirkung haben, z. B. unterhaltend, belebend, veranschaulichend, erbauend etc. Der Konsument darf also nicht nur sagen: »Aha, ein Tisch.« Der Tisch muss ein Gefühl in ihm hervorrufen.

Wir unterscheiden drei Möglichkeiten, die Gefühlswelt des Schöpfers rüberzubringen:

1. Besondere Auswahl, Anordnung und Zusammenstellung des Stoffs

Wissenschaftliche Ergebnisse, Tabellen, Kochbücher, Pläne etc. sind meist aufgrund der besonderen Auswahl, Anordnung und Zusammenstellung des Stoffs geschützt. Die schöpferische Leistung des Urhebers besteht darin, dass er die Inhalte sinnvoll auswählt und anordnet. Übrigens sind deshalb auch geografische Karten schutzfähig, da der Kartograf einen großen Gestaltungsspielraum hat, welche Elemente er wie darstellt.

2. Verknüpfung von Inhalt und Form

Bei Sprachwerken drückt sich der geistige Gehalt meist durch die besondere Verknüpfung von Inhalt und Form aus. Bei einem Gedicht ist z. B. ein bestimmter Inhalt in eine bestimmte Form (Versmaß) gegossen. Der Inhalt selbst ist immer frei (kein Schutz von Ideen!).

Aber Vorsicht: bei besonders ausgeprägten Inhalten, wie z. B. Pumuckl, Forsthaus Falkenau, Herr der Ringe, kann schon der Inhalt allein schutzfähig sein, wenn einzelne Wesen durch eine Vielzahl von Charaktermerkmalen einen eigenen Charakter erhalten. Dann liegt der geistige Gehalt aber in der besonderen Auswahl und Zusammenstellung des Stoffs. So ist z. B. der Pumuckl ein Kobold mit roten Haaren, einem kleinen Bäuchlein, großen Füßen, einem runden Gesicht, der unsichtbar werden kann.

3. Ästhetisches Gefühl

Die vorgenannten Kategorien passen nicht bei musikalischen Werken oder Werken der bildenden Kunst. Hier ist es das ästhetische Gefühl als Form des geistigen Gehalts, das auf den Konsumenten anregend wirkt. Hier sagt z. B. der Betrachter: »Das gefällt mir!« oder »Das ist scheußlich!« oder der Hörer: »Oh, was für eine wundervolle Melodie!«.

Der Sinn des Ganzen liegt darin, dass dadurch urheberrechtlich geschützte Werke von rein technischen Leistungen abgegrenzt werden. Letztere können beispielsweise nach dem Patent- oder Gebrauchsmusterrecht geschützt sein.

Wir merken uns: Voraussetzung für den urheberrechtlichen Schutz ist ein geistiger Gehalt, durch

    • Besondere Auswahl, Anordnung und Zusammenstellung des Stoffs
    • Verknüpfung von Inhalt und Form
    • Hervorrufen eines ästhetischen Gefühls

(Icon made by Hand Drawn Goods from www.flaticon.com)

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